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Zwei Wochen Sendepause

Vor zwei Wochen hat der DBV auf einer gemeinsamen Sitzung von Präsidium und Beirat eine längst fällige Kurskorrektur vollzogen: Die Schuld der Herren Dr. Elinescu und Dr. Wladow wird offiziell nicht mehr in Zweifel gezogen. Dazu bedurfte es erst einer "unabhängigen Kommission", und deren eindeutiger Einschätzung der Beweise.

Bemerkenswert ist aber, wie diese Kurskorrektur veröffentlicht wurde: Ein Satz in einem Schreiben and die Disziplinarkommission des WBF wurde zurückgezogen, und das auch noch mit einer euphemistischen Formulierung: "... ist ... als überholt zu betrachten" - als ob dieser Satz jemals sachlich gerechtfertigt war. Kann man nicht einfach schreiben: "Wir haben uns geirrt, und es tut uns leid"? Nein, ein Wort des Bedauerns ist dem DBV-Präsidenten bisher nicht über die Lippen gekommen. Dafür aber Ausflüchte, z.B. im Bridgemagazin-Interview auf die Frage: "Waren Sie von der Unschuld ihrer beiden Team-Kollegen überzeugt?" kam die Antwort "Das ist bei diesem Punkt nicht die Frage." Im Gegenteil, die beiden Briefe, die er veröffentlicht hat, zeigen ganz klar, dass er von der Unschuld der Doktoren überzeugt war. Auf dieser Grundlage hat er bis zum Urteil und darüber hinaus voreingenommen gehandelt, und damit dem Ansehen des DBV und seinem eigenen schweren Schaden zugefügt.

Von den Diskussionen hinter verschlossenen Türen, die in Berlin am 3. Mai geführt wurden, ist nur wenig an mein Ohr gedrungen. Ein Punkt ist, dass Frau Schroeder trotz des Berichtes der unabhängigen Kommission immer noch nicht von der Schuld der von ihr auf der WM exklusiv betreuten Spieler überzeugt ist. Das kam auch in einer Email vom 11. Mai zum Ausdruck, die über die Mailingliste "Doubl" bekannt wurde. Die Email hatte drei Anhänge, von denen einer zum Schluss Formulierungen enthält, die sinnvollerweise so nur von einem der Dokoren stammen können - ein Verfasser ist jedoch nicht angegeben. Leider hat Frau Schroeder mir auf meine Anfrage hin nicht gestattet, diese Mail und ihre Anlagen zu veröffentlichen. Sie meinte, wenn sie wolle, könne sie selbst veröffentlichen. Da warte ich aber wahrscheinlich noch lange drauf.

Dies war allerdings das einzige Mal, dass ich von einem Präsidiumsmitglied mit einer Antwort auf eine Email von mir bedacht wurde. Ansonsten diskutiert man offenbar lieber nur untereinander, und nicht mit dem gemeinen Volk.

Diskutiert wurde in Berlin wohl über die Berufung gegen das Urteil der Disziplinarkommission der WBF. Es gibt nach wie vor keine sachliche Rechtfertigung dafür, an einem Verfahren als Beschuldigter teilzunehmen, wenn klar ist, dass man gar nicht beschuldigt wird. Und es kann eine solche Rechtfertigung auch gar nicht geben. Es kann gut sein, dass die WBF dem DBV dafür Kosten in Rechnung stellt, die keine Bagatelle sind, und es wäre angebracht, dass das Präsidium diese Kosten aus eigener Tasche bezahlt. Möglicherweise ließe sich dies durch ein neues Präsidium auch juristisch durchsetzen.

Diskutiert wurde in Berlin die Rückgabe des Weltmeistertitels. Auch wenn das nur ein symbolischer Akt wäre, wäre dies äußerst angebracht gewesen. Ich weiß nicht, mit welchen Argumenten man sich dem verweigert hat, und kann mir keine stichhaltigen vorstellen. Es ist eine Schande, dass sich die restlichen Mitglieder des deutschen Seniorenteams immer noch an ihre Medaillen klammern.

Dies korrespondiert mit der Webseite des Bridgeclubs Bonn (Stand vom 18. Mai 2014), bei dem die restlichen vier "Weltmeister" Mitglied sind. Bis heute, den 18. Mai, steht da noch die Gratulation des Clubs an die Weltmeister. Ich habe die für die Webseite zuständig Dame am 8. Mai auf den Inhalt dieser Seite aufmerksam gemacht, aber man hat mir weder geantwortet, noch reagiert. An Herrn Wennings Stelle hätte ich längst dafür gesorgt, dass dieser Text verschwindet.

Nicht diskutiert wurde in Berlin vor zwei Wochen offenbar eine Neuwahl des Präsidiums, zumindest habe ich keine Kenntnis von einer solchen Diskussion, und auch Michael Gromöller, der mehrere Beiratsmitglieder nach der Sitzung dazu befragt hatte, hat dafür keine Anzeichen erkennen können. Dabei wäre dies die Hauptaufgabe des Beirats gewesen. Schließlich hat Herr Wenning insbesondere bei der Hauptversammlung des DBV am 23. März die Beiratsmitglieder und den gesamten DBV über alles, was sich zu diesem Thema bisher zugetragen hat, völlig im Unklaren gelassen. Ein Beiratsmitglied, Herrn Ortmann (Rhein-Ruhr), hat er auf der Hauptversammlung sogar explizit belogen, indem er auf eine entsprechende Frage antwortete, es handele sich um eine Kleinigkeit, und man wisse nichts genaues. Schon allein dieser eine Punkt würde eine Abwahl des Präsidenten und aller Präsidiumsmitglieder, die ihm die Stange halten, rechtfertigen - schließlich wurden sie auf dieser Hauptversammlung erneut in ihre Ämter gewählt, und die Wahl hätte durchaus anders ausfallen können, wenn die Öffentlichkeit über alle geheimgehaltenen Vorgänge rechtzeitig informiert worden wäre.

Eine Abwahl kann aber nur erfolgen, wenn sich Bridgespieler bereit erklären, zu kandidieren. Daran hapert es aber bisher: Es hat sich jedenfalls bei mir nur ein einziger gemeldet. Ich kann daher nur dazu aufrufen, dass es dringend geboten ist, dass mindestens 6 Bridgespieler mir ihre Bereitschaft mitteilen, für das Präsidium des DBV zu kandidieren. Dies müssen keine Spitzenspieler sein. Im Gegenteil, das Desaster wurde ausschließlich von Spitzenspielern verursacht. Sobald ich ausreichend Meldungen von Kandidaten habe, werde ich alle Vereine informieren und dazu aufrufen, eine außerordentliche Hauptversammlung des DBV zu beantragen, auf der die Kandidaten dann gewählt werden können.

Ich werde noch drei Wochen warten, also bis zum 7. Juni einschließlich. Wenn sich bis dahin in Hinblick auf die Kandidaten kein Erfolg einstellt, dann ist meine Initiative beendet, und ich werde eine andere Empfehlung zum weiteren Vorgehen aussprechen.

Nachtrag vom 11. Juni: Ich habe nun die Frist bis zum 25. Juni verlängert.