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Kommentar zum “Offenen Brief”

Durch dieses Schreiben wird deutlich, dass Herr Wenning sowie Frau Schroeder und Herr Harsanyi (diese beiden im wesentlichen durch Unterlassen) massiv gegen die Geschäftsordnung des DBV-Präsidiums verstoßen haben, indem sie äußerst wichtige Informationen geheim hielten. Die einschlägigen §§ der Geschäftsordnung lauten:

§1(3)Die Mitglieder des Präsidiums sind nur insoweit verpflichtet, die ihnen bei ihrer Amtsführung zugänglich werdenden Informationen vertraulich zu behandeln, als hierzu ein protokollierter Beschluss des Präsidiums ergangen ist oder arbeitsrechtliche Schutzbestimmungen oder Geschäftsgeheimnisse (auch von Geschäftspartnern) zu wahren sind.

Frau Schroeder und Herr Harsanyi können sich also nicht hinter Herrn Wennig verstecken, der evtl. eine Geheimhaltung angeordnet hat. Falls er es getan hat, war er nicht dazu befugt.

§2(2) Das Präsidium hat für einen sorgfältigen und sparsamen Umgang mit dem Vermögen des Verbandes zu sorgen und auf die Vermeidung von Risiken zu achten.

Darunter fällt auch das Prozesskostenrisiko der Berufung. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass dies thematisiert worden ist, als die Berufung beschlossen wurde.

§2(3) Jedes Mitglied des Präsidiums nimmt seine Aufgaben im engen Kontakt mit dem Präsidium wahr. Die Mitglieder des Präsidiums arbeiten kollegial zusammen und unterrichten einander laufend über wichtige Maßnahmen und Vorgänge in ihren Ressorts.

Der wichtigste Punkt. Dagegen hat Herr Wenning gleich mehrfach verstoßen:

§3(3) Dem Präsidenten obliegt die Federführung für das Präsidium in der Zusammenarbeit mit dem Beirat und dessen Mitgliedern. Er steht dem Vorsitzenden des Beirats und dessen Stellvertreter für Auskünfte über die Lage des Verbandes zur Verfügung. Bei wichtigen Anlässen, die für den Verband von erheblicher Bedeutung sein können, hat er den Vorsitzenden des Beirats unverzüglich zu informieren.

Dagegen hat Herr Wenning in eklatanter Weise verstoßen.

Dann gab es den Vorfall, dass er sich mitten in einer Präsidiumssitzung verabschiedet (offenbar ohne einen stichhaltigen Grund anzugeben, ein solcher wäre im “Offenen Brief” wohl erwähnt worden). Genau an der Stelle, wo es unangenehm für ihn wird, bricht er ab. Das brauche ich wohl nicht weiter kommentieren.

Schließlich hat er die Umsetzung eines Präsidiumsbeschlusses vereitelt, indem er die Veröffentlichung der Sperre gegen die Doktoren untersagte und damit für die Dauer von einer Woche verhinderte. Hier hat er wirklich explizit etwas ungesetzliches getan. Was wäre wohl, wenn das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf beschließen würde, und Frau Merkel würde ihren Sekretär anweisen, das Papier in den Reißwolf zu stecken, anstatt es an den Bundestag weiterzuleiten? Sie wäre wohl die längste Zeit Bundeskanzlerin gewesen, unter Verlust ihres Ruhegehaltes, ungeachtet ihrer früheren Verdienste.

Auf den DBV übertragen bedeutet dies: Es ist dringend angezeigt, dass der Disziplinaranwalt, der das ganze ja hautnah mitbekommen hat, ein Disziplinarverfahren gegen Herrn Wenning einleitet.

Nun wird im Schreiben noch ein wenig weiter beklagt, was Herr Wenning alles allein entschieden hat, und dann kommt der Satz, bei dem wirklich Zweifel an der Kompetenz der Beteiligten aufkommen müssen: “Inhaltlich, denken wir, sind die bisher getroffenen Entscheidungen zufriedenstellend.

Zum einen kann niemand beurteilen, was geschehen wäre, wenn die drei Unterzeichner erstens von Anfang an umfassend und zutreffend informiert und anschließend auch wirklich gefragt worden wären. Evtl. hätten sie in voller Kenntnis der Situation eigene Argumente eingebracht, und es wäre andere Beschlüsse gefasst worden, weil die Argumente vielleicht überzeugend gewesen wären - und es gibt wirklich sehr überzeugende Argumente gegen die Vorgehensweise des Herrn Wenning. Schon das eine Mal, wo sie einen Beschluss ohne Herrn Wenning gefasst haben, nämlich beim Schieds- und Disziplinargericht die vorläufige Sperre für die Doktoren zu erwirken, hat sich diese Entscheidung sehr positiv ausgewirkt: So waren die Doktoren zu dem Versuch gezwungen, eine einstweilige Verfügung zu erwirken. Ohne die Sperre hätten sich die Doktoren zur Bridge-Trophy anmelden können, und deutsche und ausländische Teams wären gezwungen gewesen, gegen sie zu spielen. Das hätte wahrscheinlich bedeutet, dass man die Trophy hätte absagen müssen, weil zu viele Spieler entweder ihre Teilnahme abgesagt hätten oder sich während der Veranstaltung geweigert hätten, gegen die Doktoren zu spielen.

Zum anderen ist die Frage, ob die Maßnahmen von Herrn Wenning inhaltlich sinnvoll waren oder nicht, dermaßen irrelevant angesichts seiner Pflichtverstöße, dass man den Eindruck haben muss, die Unterzeichner nehmen sich selbst nicht ernst. Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn sie von einer Zukunft reden, obwohl jedem unbefangenen Beobachter klar ist, dass es mit diesem Präsidenten keine Zukunft geben kann. Und was ein in der Satzung gar nicht vorgesehenes Gremium namens “Krisenstab” ausrichten soll, erschließt sich mir auch nicht.

Gut ins Bild passt, dass mindestens einer der Unterzeichner nach eigener Aussage (ich habe mit ihr/ihm telefoniert) dafür gestimmt hat, dass der DBV gegen das Urteil der Disziplinarkommission in Berufung geht.