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Die Berichterstattung im Bridgemagazin

Durch den "Offenen Brief" wissen wir, dass die Berichterstattung über den Betrugsfall ganz unter dem Einfluss von Herrn Wenning stand, und Frau Kuipers, die eigentlich für das BM zuständig ist, an dieser Stelle nichts zu melden hatte. Hier meine Kritik an dieser Berichterstattung:

Titelseite: "Der Reiz-Husten" - hier wird ein medizinischer Begriff verwendet, der ein krankheitsbedingtes Symptom bezeichnet, an dem viele Menschen leiden, auch ich gelegentlich in letzter Zeit. Unter den Rückmeldungen, die ich zu meiner Seite bisher erhalten habe, waren zwei, die davon berichteten, dass beim Bridge ihr unabsichtliches Husten im Hinblick auf W/E thematisiert wurde. Es muss nicht sein, dass sich das BM da anschließt.

"Betrugsvorwürfe" ist verharmlosend, auch wenn im Inneren der Zeitschrift deutlich wird, dass es sich nicht mehr nur um Vorwürfe handelt. Mit dem Begriff "Vorwurf" wird aber immer das Adjektiv "unbewiesen" assoziiert, denn wenn die vorgeworfene Tat bewiesen und abgeurteilt ist, dann heißt es sinnvollerweise "verurteilt wegen Betrug", meinetwegen mit dem Zusatz "noch nicht rechtskräftig".

Im Artikel sind dann einfach einige sachliche Fehler: Das Team USA2 hatte nicht nur während des Finales, sondern schon vor dem Finale Zweifel geäußert. Nach dem 3. Durchgang des Finales wurden nicht Zweifel vorgetragen, sondern das Team USA2 war überzeugt davon, betrogen worden zu sein, und hatte überdies noch herausgefunden, auf welche Weise. Die Behauptung von Herrn Paetz, dass es am Ende des Turniers keine Beweise gegen Dr. Elinescu und Dr. Wladow gab, ist klar falsch: die Zeugenaussagen existierten, und die Videos existierten. Dass sich die WBF dafür entschied, die Vorwürfe vorerst geheim zu halten, um zu überprüfen, ob das beobachtete Verhalten der Doktoren beim nächsten Turnier erneut auftritt, kann man nicht so umdeuten, dass zu diesem Zeitpunkt noch alles unklar war.

Auch der Satz: "Anfang Oktober schalteten die USA dann den WBF ein." ist sachlich falsch. Abgesehen davon, dass es sich anhört, als sei Herr Obama persönlich tätig geworden, ist der korrekte Sachverhalt einfach der, dass ein "Formal Complaint" eingereicht wurde, also eine formelle Beschwerde. Inhaltlich hatte sich das Team USA2 schon während der Weltmeisterschaft beschwert, und ab da lief alles unter der Regie der WBF.

Zu den beiden Sätzen: "Der DBV hat eigene Ermittlungen gegen das Paar gestartet. Bis auf weiteres sind beide Spieler für Turniere in und für Deutschland gesperrt." Sie stehen in keinerlei Zusammenhang, obwohl es sich so anhört. Jeder für sich genommen sind die Sätze natürlich richtig: Tatsächlich hat der DBV ermittelt, und ist ausweislich der Schreiben von Herrn Wenning vom 13. und 20. März zu dem Schluss gekommen, dass die Doktoren unschuldig sind. Diese Ermittlungen können also nicht der Grund für die Sperre sein. Die anderen Ermittlungen der Unabhängigen Kommission hatten zu dem Zeitpunkt, als das Schieds- und Disziplinargericht des DBV die Sperre aussprach (7. April), noch gar nicht so recht begonnen, und kommen daher ebensowenig als Grund für die Sperre in Frage. Es wird also durch die Zusammenstellung von wahren Aussagen eine Gesamtaussage suggeriert, die nicht den Tatsachen entspricht.

Das Interview

Schon die Idee zu dieser Form der Berichterstattung löst ein wenig Kopfschütteln aus: Warum kann Herr Wenning nicht das, was er zu sagen hat, in Form eines selbst geschriebenen Textes vorbringen? Dessen Abdruck wäre ihm wohl kaum verweigert worden.

Die Überschrift impliziert, dass ein unfaires Verfahren stattgefunden hat, und dies wird im Text auch explizit gesagt. Auch an dieser Stelle wird wieder dem DBV Schaden zugefügt, anstatt welchen zu vermeiden. Was sollen denn die ausländischen Bridgespieler vom DBV denken, wenn dessen oberster Repräsentant auf diese Weise das vergangene Verfahren pauschal als unfair abqualifiziert?

Nun kommen wieder die Verfahrensmängel. Ich vermute, dass auch wenn die WBF und die Disziplinarkommission ein paar Fehler weniger gemacht hätten, sich noch genügend kleine und vermeidbare Fehler gefunden hätten, um auf diese Weise gegen das Urteil vorzugehen. Die Disziplinarkommission der WBF ist ja keine Feuerwehr, die bei einem Brand sofort zur Stelle ist, und davor in Bereitschaft. Im Gegenteil haben die Personen, die für die WBF am Werk waren, wahrscheinlich normalerweise andere Aufgaben, und die Arbeit an diesem Fall musste irgendwie dazwischen geschoben werden. Und sie haben wohl auch keine langjährige Erfahrung mit großen Betrugsfällen. Und bei weltweiter Zusammenarbeit zwischen den am Verfahren beteiligten Personen gibt es sicher Reibungsverluste und Sprachschwierigkeiten, die Verzögerungen bewirken. Was die behauptete Verzögerung der Anlieferung von Beweismaterial angeht, vermisse ich eine Aufstellung von Herrn Wenning, wann welches Dokument eintraf. Kein einziges konkretes Datum wurde von ihm genannt, während im Protokoll der Disziplinarkommission doch einige konkrete Zeitpunkte genannt wurden, zu denen Korrespondenz stattfand. Und schließlich: Einige Fehler waren nur in Herrn Wennings Augen welche, sind es aber objektiv betrachtet nicht. Dazu mehr im Folgenden.

Herrn Wenning hält sich zugute, dass er die Einstellung der Vorwürfe gegen den DBV erreicht hat. Dies thematisiert er zwei Mal, nämlich in der Mitte der 2. Spalte und Anfang der 4. Spalte. Dabei bezieht er sich auf sein Schreiben vom "12. März", was aber laut dem auf der DBV-Webseite vorliegenden Original das Datum 13. März trägt. Des weiteren bezieht er sich u.a. auf Ziffer 9 de Protokoll der Disziplinarkommission. Dort steht aber, dass Frau Heth schon am 28. Februar ein Schreiben per Email an ihn gesandt hat, das seine Bemühungen in diesem Punk am 13. März in meinen Augen gegenstandslos macht.

Herr Wenning sagt: "Die damit nur noch dreiköpfige Kommission hätte ergänzt werden müssen." Diese Behauptung ist falsch, allein deshalb, weil es im WBF DISCIPLINARY CODE, §5, heißt: "The Commission consists of three people selected by the President ..." Dass im weiteren Verlauf des Textes von 5 Personen die Rede ist, ändert nichts daran, dass die für einen bestimmten Fall berufene Kommission nur aus 3 Personen besteht.

Es ist im Interesse aller Bridgespieler weltweit, dass ein bei einer Weltmeisterschaft entdeckter Betrug verfolgt wird. Dabei ist es völlig unerheblich, wer den Betrug entdeckt hat, und wer durch den Betrug einen Schaden erlitten hat. Und so war es auch: Bridgespieler aus aller Welt haben Eddie Wold für die Aufdeckung der Betrugsmethode gedankt. Auch ich habe ihm eine entsprechende Mail geschickt. Mit welchem Recht rügt hier Herr Wenning die Besetzung der WBF-Disziplinarkommission, noch dazu, wo es unter Einhaltung des WBF DISCIPLINARY CODE gar keine personelle Alternative für den WBF-Präsidenten gab. Besonders abwegig ist, dass er in die Rüge auch den Ankläger einbezieht, der bei der Entscheidung über den Fall keine Stimme hat, wie im normalen Strafrecht der Staatsanwalt.

Herr Wenning behauptet, er habe das Urteil erst am 31. März erhalten. Interessant dabei ist die Formulierung "schriftlich zugestellt". Ich frage mich, warum er das extra betonen muss. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass er das Urteil per Email wesentlich früher erhalten hat. Das Problem mit dem Thema Email und Herr Wenning ist aber, dass laut mehreren Aussagen in der Mailingliste Doubl Herr Wenning nie auf Emails antwortet. Daraus könnte man schließen, dass er seine Emails erst gar nicht liest. Und daran könnte es gelegen haben, dass er erst vom Urteil Kenntnis nehmen konnte, nachdem der Postbote einen Umschlag in seinen Briefkasten geworfen hatte.

Herr Wenning sagt: "Wer hätte den DBV bei der Verhandlung in Dallas sinnvoll vertreten sollen? Neben dem juristischen Know- How war doch auch Bridge-Sachverstand gefordert – und da waren alle möglichen deutschen Kandidaten an dem Wochen- ende in Berlin gebunden." Eigentlich waren die einzigen, die in Berlin unbedingt anwesend sein mussten, die Präsidiumsmitglieder, die zur Wiederwahl standen. Zu behaupten, dass es unter allen anderen deutschen Bridgespielern keinen mit "juristischem Know-How" gäbe, ist schon ein starkes Stück. Da ja klar war, dass der DBV nur aus formalen Gründen als Beschuldigter aufgeführt war, hätte der Vertreter des DBV sich auf eine Beobachterrolle beschränken können. Keinesfalls hätte er die beschuldigten Doktoren, die ohne Hinderungsgrund bei dem Verfahren nicht erschienen waren, verteidigen dürfen. Und wenn sich tatsächlich niemand gefunden hätte, der bereit gewesen wäre, nach Dallas zu fliegen, dann hätte sich aber doch ganz sicher jemand gefunden, der das Verfahren per Videokonferenz beobachtet, wie es von der Kommission angeboten worden war. Die Tatsache, dass kein DBV-Vertreter erschien, hat dem Ansehen des DBV in der Bridgewelt einen weiteren Schaden zugefügt.

Schließlich erklärt Herr Wenning, warum er Berufung gegen das Urteil der WBF-Disziplinarkommission eingelegt hat. Ok, er will gerne Partei sein, weil er dann das Recht hat, im Verfahren Anträge zu stellen. Die wichtige Frage aber, wozu dies nötig sein soll, wo der DBV nicht beschuldigt ist, bleibt aber an dieser Stelle offen. Dabei hat er sie bereits in seiner Rede vor der Bundesliga am 5. April zur vollen Zufriedenheit aller beantwortet: "Der DBV ist raus" sagte er und wiederholte, begründete und betonte diese Aussage. Die Gründe für diese 180°-Wende bleiben weiterhin im Dunkeln. Auch geht er nicht auf das Prozesskostenrisiko ein, das durch diesen Schritt droht - das erste Verfahren war für den DBV kostenlos. Siehe zu diesem Thema auch die Seite "Diskussion".

Bei einer Stellungnahme ist auch immer interessant, was an wichtigen Fragen oder Aussagen weggelassen wurde. Und da fällt mir vor allem die Frage ein, ob Herr Wenning - für wie unfair er das WBF-Verfahren auch immer hält - eigentlich inzwischen von der inhaltlichen Beweisführung des Anklägers und der Würdigung durch die Disziplinarkommission überzeugt ist, oder ob er immer noch an die Unschuld der Beschuldigten glaubt, was bei seinen auf der DBV-Seite und zum Teil auch in diesem Bridgemagzin abgedruckten Briefen, die vor dem Urteil verfasst wurden, zum Ausdruck kommt. Leider wird diese Frage vom Interviewer nicht gestellt, und erst recht mit keiner Silbe beantwortet. Seine Haltung kommt auch nicht indirekt zum Ausdruck, und mit keiner Silbe werden die Doktoren kritisiert, selbst zum Schluss nicht, als es darum geht, dass sie gegen die vorläufige Sperre der DBV-Justiz bei einem ordentlichen Gericht vorgehen.

Indem er nichts sagt, erhält er gegenüber der Öffentlichkeit die Fiktion aufrecht, es sei eigentlich noch nichts geklärt. In Wirklichkeit aber hat die erste Instanz in der Sache völlig richtig geurteilt. Nur ganz vereinzelte Berufsskeptiker sind anderer Meinung, und außerhalb von Deutschland wahrscheinlich niemand. Die Berufung ist daher nur ein kostspieliges juristisches Geplänkel, dessen Ausgang man unschwer vorhersehen kann. Evtl. kann die DBV-Justiz eine endgültige Sperre erst aussprechen, wenn ein rechtskräftiges Urteil der zweiten WBF-Instanz vorliegt. Aber Herr Wenning ist im DBV kein "Organ der Rechtspflege", und daher durchaus berechtigt, sich zu äußern. Mindestens seine private Meinung hätte er den deutschen Bridgespielern nicht vorenthalten sollen.

Das Schreiben vom 15. April

Hier fällt auf, dass die Argumente für die Berufung ganz andere sind, als die im Interview angegebenen. Im offiziellen Brief traut sich Herr Wenning nicht, das bisherige Verfahren als unfair zu bezeichnen. Aber wenn er denkt, dass das, was er im Bridgemagazin auf Deutsch zum besten gibt, international keine Beachtung findet, dann hat er sich schwer getäuscht.

Die Einlassungen von Herrn Dr. Wladow

Diese wurde tatsächlich so in der Doubl auf Initiative von Herrn Dr. Wladow am 30. März verbreitet. Die redaktionellen Änderungen waren zwar nicht notwendig, haben den Text in seinem Inhalt aber in keiner Weise verändert. Ich möchte nur auf den letzten Absatz eingehen: Wenn jemand unschuldig ist, dann ist nicht er für den Imageschaden des deutschen Bridge verantwortlich, sondern diejenigen, die ihn zu unrecht aufgrund von gefälschten Beweisen angeklagt und verurteilt haben. Eine solche Entschuldigung wäre für einen Unschuldigen daher nicht angebracht gewesen.