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Übersetzung des Artikels in "Le Bridgeur", April 2014, durch Jeff Easterson, überarbeitet von Karl Junk

Aktuelle Nachrichten

Die Neuigkeiten des Monats sind in den Schatten gestellt durch ein historisches, jedoch trauriges Ereignis: Die Entscheidung der WBF über das Paar Elinescu-Wladow, das auf Bali im vorigen Herbst Senioren-Weltmeister wurde. Kaum öffentlich gemacht, wird die Strafe bereits durch den DBV in Frage gestellt. Diese Angelegenheit sollte man weiter verfolgen.

Das Urteil der Disziplinarkommission der WBF: Entscho Wladow und Michael Elinescu werden für 10 Jahre gesperrt.

Am 21. und 22. März fand im Hotel Sheraton in Dallas (USA) eine Sitzung der Disziplinarkommission der WBF statt. Sie hatte den Auftrag, über den Verdacht gegen Entscho Wladow und Michael Elinescu, zwei Spieler der deutschen Seniorennationalmannschaft, die aus der letzten Weltmeisterschaft als Sieger hervorging, zu entscheiden. Vorausgegangen war eine formelle Beschwerde durch Donna Compton, Kapitän der Seniorenmannschaft der USA. Diese Mannschaft verlor in Bali unglücklich das Finale gegen die Deutschen.

Die Kommission konnte das Beweismaterial studieren, aber nicht die Angeklagten hören, die es abgelehnt hatten, nach Dallas zu kommen, obwohl sie eingeladen waren. Die Kommission entschied sich für ungewöhnlich schwere Sanktionen: jeder der beiden wurde für 10 Jahre gesperrt, und lebenslänglich als Paar. In ihrer Entscheidung stellte die Kommission fest, dass die zwei Spieler schuldig waren, auf unerlaubte Weise Information ausgetauscht zu haben, nämlich durch Husten nach einem vorher vereinbarten Code. Diese Kommunikation, schrieben sie, war ausgemacht, um einen illegalen Vorteil zu erlangen, und stehen im Gegensatz zum Geist und zu den Gesetzes des Bridgespiels. Dies war ein verwerfliches Verhalten.

Der Ablauf der Ereignisse

Auf welche Beweise sich die Kommission (bestehend aus Georgia Heth (USA) als Vorsitzende, dem Englander David Harris, dem Pakistani Mazhar Jafri und Jeffrey Polisner als "Staatsanwalt") gestützt hat, könnte man fragen. Dies ist nicht unwichtig für den Verlauf der Geschichte.

Bei den Meisterschaften der Senioren in Bali gab es, unter anderem, Beschwerden und Gerüchte über das schlechte Benehmen des deutschen Paares. Während der Turniers kursierten einige spektakuläre Hände. So sehr, dass in Übereinstimmung mit ihren Spielern Donna Compton einen ersten Versuch machte, vor Beginn des Finales den Veranstalter zu bitten, einen Beobachter zu beauftragen, der registriert, was am Tisch der Deutschen passiert. Das wurde abgelehnt, da es keine handfesten Beweise gab.

Während des 3. Segments des Finales bemerkte Eddie Wold, dass die Deutschen sehr oft zu husten schienen, und zwar am Anfang und Ende der Reizung, aber danach nicht mehr. Er notierte auf seine Konventionskarte, wie oft jeder Spieler gehustet hat während jeder Hand.

Nach der Durchgang übergab er seine Konventionskarte an seinen Kapitän, die sofort ein Treffen verlangte mit Max Bevan (Haupt-Turnierleiter) und Maurizio di Sacco (organisatorischer Leiter des Turniers). Nach diesem Treffen hat di Sacco entschieden, einen Beobachter an den Tisch von Elinescu und Wladow zu setzen. Währenddessen verglich Donna Compton die Verteilungen aus dem vorigen Durchgang mit den Notizen von Wold.

Es hat nicht lange gedauert, den Code zu entschlüsseln:

Eine wirkungsvolle Beobachtung

Mit dieser Information im Kopf hat Mario Eminenti, ein Assistent vom di Sacco, als BBO-Operator am Tisch von Elinescu und Wladow Platz genommen. Zur selben Zeit wurde die Kamera am Tisch aufgestellt, um alles aufzunehmen, was am Tisch geschah. Damit die Überwachung unauffällig war, wurden auch an anderen Tischen Kameras aufgestellt. Die Überwachung begann mit dem 5. Segment.

Der Bericht von Eminenti ist sehr lehrreich. Er hat nicht nur verifiziert, dass jede Kürze in den Händen begleitet wurde von der erforderlichen Anzahl von Hustern, sondern auch, dass bei ausgeglichen verteilten Händen nicht gehustet wurde. Darüber hinaus gelang es festzustellen, dass die beiden Spieler denselben Code benutzt haben, um die Farbe des Ausspiels nach Ende der Reizung zu bestimmen. Schließlich entstanden mit Hilfe des Videos eine Anzahl Hypothesen. Er vermutete, dass außerdem ein Code (basierend darauf, ob ein Spieler den Schlitten berührt hatte oder nicht) benutzt wurde, um die Stärke der Hand durchzugeben, bevor der Screen geschlossen wurde. Er dachte auch, dass die Spieler eine Methode hatten, um zu zeigen, ob ein gewisser Angriff angenehm oder nicht angenehm war. Auch diese Hypothesen sind sehr überzeugend, aber weil die Anzahl der Hände so begrenzt war, wurden sie von der Kommission nicht bewertet.

Hier eine Hand, um den Code für den Angriff zu zeigen (Segment 5 Hand 12, Teiler West, N/S in Gefahr):

♠ 9 8
♥ A 5 4
♦ B 10 9 4
♣ D B 5 2
♠ K 4 3
♥ D B 10 8
♦ A 3
♣ K 7 4 3
♠ A B 7 5 2
♥ K 9 7
♦ 8 6
♣ A 9 8
♠ D 10 6
♥ 6 3 2
♦ K D 7 5 2
♣ 10 6

Ost wurde Alleinspieler in 4 Pik. Elinescu (Nord) hat einmal gehustet (um Treff zu verlangen). Wladow spielte Treff 10 aus. An allen anderen Tischen, an denen derselbe Kontrakt gespielt wurde von derselben Hand, kam selbstverständlich Karo König als Angriff.

Einige Tage später sind Elinescu - Wladow bei den Cavendish in Monte Carlo angetreten. Der französische Turnierleiter Bertrand Gignoux, der bereits auf Bali zugegen war, war auch bei den Cavendish als Turnierleiter tätig. Maurizio di Sacco hatte ihn gebeten, ein Auge auf das beanstandete Paar zu werfen, und ihm den vermuteten Code mitgeteilt.

Durch andere Aufgaben belastet, konnte Gignoux das Paar nicht das gesamte Turnier über beobachten. Aber seine Zeugenaussage war ausreichend wichtig, um ihn zu bitten, nach Dallas zu kommen. Er beobachtete 24 Hände, in denen einer der Spieler eine Kürze hatte. Seine Zusammenfassung: „Der Code, so wie er mir beschrieben wurde, ist bei diesen 24 Boards konsequent eingesetzt worden. Ohne Ausnahme. Die Zeichen wurden früh während der Reizung gegeben. In 17 dieser Hände hatte nur einer der zwei Spieler eine Kürze. Bei sechs Gelegenheiten hatten beide Spieler eine Kürze, die von beiden gezeigt wurde."

Schließlich, in einer Hand (Nr. 6 der Qualifikation) hatte einer der zwei Spieler zwei Kürzen:

♠ 4
♥ K D 10 9 4
♦ 6
♣ A B 10 9 7 4

Süd signalisierte zwei Singles, indem er erst zweimal hustete, und nachher viermal. Insgesamt waren 31 Singles vorhanden, und 31 wurden signalisiert.

Beanstandung zu erwarten

Die Entscheidung der Kommission kann innerhalb von zwanzig Tagen angefochten werden, nachdem sie den verurteilten Spielern bekannt gemacht wurde. Den anderen deutschen Spielern wurden nichts vorgeworfen. Am Ende ihres Berichts hat die Kommission klargestellt: "Um jede Zweifel zu auszuräumen, erklärt die Kommission deutlich, dass kein schlechtes Verhalten dem DBV vorgeworfen wird, und auch nicht den restlichen Mitgliedern der Mannschaft, die in Bali gespielt hat."

Doch Ulrich Wenning, Präsident des DBV und ebenfalls ein Mitglied des Teams von Bali, hat bereits auf der Website des DBV einen Brief veröffentlicht, den er an Gianarrigo Rona als Antwort geschickt hat als Reaktion auf die Sperrung der zwei Spieler. Es gibt viele Meinungsverschiedenheiten zu Form und Inhalt der Entscheidung. Es ist wahrscheinlich, dass dieser Fall ist noch nicht zu Ende ist ...